
Literaturclub Interview
In diesem Podcast kommen Autorinnen und Autoren zu Wort. Alle zwei Wochen führt die Redaktion ein unterhaltsames und inspirierendes Gespräch mit einem Schriftsteller oder einer Schriftstellerin über ihr aktuelles Buch, ihre Motivation und ihre Inspiration.
Episodes
Lena Gorelik über «Alle meine Mütter»
Mütter prägen uns, ob wir es wollen oder nicht. Die deutsche Autorin Lena Gorelik erzählt in «Alle meine Mütter» von dieser komplexen Beziehung – der jeweils ersten Beziehung im Leben eines Menschen. Klischierten Mutterbildern setzt sie feinfühlige Erzählungen entgegen.
«Wir setzen unsere Schritte auf das, was wir dank oder trotz unserer Mütter wurden», schreibt Lena Gorelik in ihrem neuen Buch «
Lukas Bärfuss über «Königin der Nacht»
Wer ist für mein Lebensglück verantwortlich – ich selbst oder die Gesellschaft? Lukas Bärfuss erkundet in «Königin der Nacht» seine Mutter. Sie war bettelarm, vulgär und frei von Mitgefühl für ihren Sohn. Felix Münger unterhält sich mit dem Autor über die Macht von Prägungen.
Bärfuss’ Suche nach der Mutter entpuppt sich auch als Suche nach sich selbst. Was hat sich von der hartherzigen Mutter auf
Markus Orths über «Die Enthusiasten»
Was, wenn künstliche Intelligenz plötzlich in der Lage wäre, bessere Kunstwerke hervorzubringen als menschliche Fantasie und Kreativität? Diese Frage steht am Ursprung von Markus Orths’ aktuellem Roman «Die Enthusiasten».
Vince Bär ist Literaturwissenschaftler. Und er ist Laurence-Sterne-Fan und begeisterter Leser dessen Kultbuches «Leben und Ansichten von Tristram Shandy. Gentleman». Neun Bände
Birgit Birnbacher über «Sie wollen uns erzählen»
In ihrem vierten Roman erzählt Birgit Birnbacher von einem Jungen mit ADHS. Dabei beschreibt sie nicht nur die Schwierigkeiten, die Betroffene beispielweise im aktuellen Schulsystem haben, sondern auch welche Chancen «Wildwuchs im Denken» für die Gesellschaft beinhalten könnte.
Ozzy ist neun und hat ADHS. In der Schule passt er nicht rein, er stört das Funktionieren der Abläufe. Aber er hat ander
Matthias Nawrat über «Das glückliche Schicksal»
In seinem fesselnden Roman befragt Matthias Nawrat moralische Dilemmata: Welche Handlungsspielräume gibt es in Krieg und Diktatur, und zu welchem Preis? Im Gespräch mit Franziska Hirsbrunner sagt der Autor, warum gerade in solchen Fragen die Vergangenheit für ihn auch die Gegenwart ist.
«Das glückliche Schicksal» ist im Polen des Zweiten Weltkriegs und der frühen 1980er Jahre angesiedelt und teil
Judith Hermann über «Ich möchte zurückgehen in der Zeit»
Judith Hermanns Grossvater war während des Zweiten Weltkriegs für die SS in Polen stationiert. In ihrem neuen Buch «Ich möchte zurückgehen in der Zeit» versucht die deutsche Bestseller-Autorin herauszufinden, wer er war, wie er war und was er getan hat.
Judith Hermann, Jahrgang 1970, gilt als eine der renommiertesten deutschen Autorinnen. In ihrem neuen Buch «Ich möchte zurückgehen in der Zeit» b
Siri Hustvedt über «Ghost Stories»
In ihrem neuen Buch setzt die US-Autorin Siri Hustvedt ihrem vor zwei Jahren verstorbenen Ehemann Paul Auster ein Denkmal. Sie blickt zurück auf 43 Jahre gemeinsamen Lebens. Tiefgründig, berührend, intim.
Am 30. April 2024 starb der berühmte US-amerikanische Schriftsteller Paul Auster. Die nicht minder berühmte Autorin Siri Hustvedt hatte über 40 Jahre lang mit ihm zusammengelebt. Hustvedt und Au
Norbert Gstrein über «Im ersten Licht»
Ein Leben im Schatten der Kriege: Der Österreicher Norbert Gstrein erzählt in seinem packenden Antikriegsroman von einem, der nie kämpft und doch geprägt wird von den Verwerfungen des 20. Jahrhunderts. Im Gespräch mit Felix Münger sagt der Autor, weshalb diese Konstellation gerade heute aktuell ist.
In seinem Roman «Im ersten Licht» greift Norbert Gstrein einmal mehr grosse Themen unserer Zeit au
Julia Weber über «Weil ich Ruth bin»
Felle, Federn, Fischschuppen: Ruth kann Menschen durch Küsse in Tiere verwandeln und mit ihrer Willenskraft Bäume fällen. Julia Weber spricht über diese «moderne Hexe» als Vorbild, darüber, warum Menschen dem Alltag entfliehen wollen, und warum die sinnliche Wahrnehmung ihr besonders wichtig ist.
Dank ihrer besonderen Kräfte kann Julia Webers Protagonistin der Welt und ihren Ungerechtigkeiten auf
Leïla Slimani über «Trag das Feuer weiter»
Die französische Bestsellerautorin und Prix Goncourt-Preisträgerin Leïla Slimani schliesst mit «Trag das Feuer weiter» ihre grosse Familiensaga ab. Sie erzählt, warum sie seit jeher über Familie und weibliche Identität schreibt und wie Erinnerungen in ihren Texten zu Fiktion werden.
Slimani erzählt im Finale «Trag das Feuer weiter», wie sie über drei Generationen hinweg Herkunft, Verlust und Selb
Julian Barnes über «Abschied(e)»
Booker-Preisträger Julian Barnes wird 80 und legt mit «Abschied(e)» sein letztes Buch vor. Er erzählt von Liebe und Tod, Erinnerung und Endlichkeit – und davon, was geschieht, wenn eine Jugendliebe nach 40 Jahren fortgesetzt wird.
Ein letztes Buch, eine Liebesgeschichte, ein Hund und grosse Gedanken: In «Abschied(e)» blickt Julian Barnes zu seinem 80. Geburtstag noch einmal auf die Themen, die se
«Ich fahr Pakete aus in Peking» von Hu Anyan
«Ich fahr Pakete aus in Peking» ist Hu Anyans Bericht über 20 Jahre prekäre Arbeit in Niedriglohnjobs in chinesischen Riesenstädten – immer so lang, bis Frust, Erschöpfung oder Langeweile zu gross wurden. Für Simon Leuthold eine eindrückliche Stimme von Ausgebeuteten, die selten zu Wort kommen.
Während seiner Zeit als Paketbote in Peking kämpft Hu Anyan mit riesigem Zeitdruck. Jede Minute, in der
«Und Federn überall» von Nava Ebrahimi
Wie bleiben wir menschlich, wenn der Alltag immer härter wird? Mit dieser Frage setzt sich Nava Ebrahimi in ihrem neuen Roman auseinander. «Und Federn überall» spielt auf einem Geflügelschlachthof und verknüpft das Leben von sechs Figuren. Berührend, hochaktuell und meisterhaft konstruiert!
Die iranisch-deutsche Schriftstellerin Nava Ebrahimi erhielt 2021 den renommierten Ingeborg-Bachmann-Preis.
«Smart City» von Daniel Wisser
In «Smart City» beschreibt der österreichische Schriftsteller Daniel Wisser eine künstliche Stadt, die nach Vorstellungen und Sehnsüchten heutiger Gesellschaften errichtet wird. Dabei müssen grosse Entscheidungen getroffen werden wie Freiheit oder Sicherheit, Demokratie oder Überwachung.
Die Journalistin Monag Oliphant zieht in die künstlich geschaffene Stadt NEUDA, die neben Nachhaltigkeit und L
«Gym» von Verena Kessler: Horrortrip an der Trainingsmaschine
Im Roman «Gym» schildert die deutsche Autorin Verena Kessler eine junge Frau, die im Fitnessstudio ihren Körper bis zum Exzess optimiert – und in der Katastrophe endet. Host Felix Münger hat das rasant erzählte Buch amüsiert – und beunruhigt: Es zeichne ein verstörendes Bild unserer Gesellschaft.
Die namenlose Protagonistin des Romans, eine etwa 30-jährige Frau, heuert in einem Gym an, um an der
«Goldstrand» von Katerina Poladjan
In ihrem Roman «Goldstrand» erzählt die deutsch-russische Schriftstellerin Katerina Poladjan von einem alternden italienischen Filmemacher. Eli lebt in Rom, in der verlotterten Villa seiner verstorbenen Grosseltern mütterlicherseits, die glühende Mussolini-Anhänger waren.
Väterlicherseits ist die Herkunft unklar. Waren es Menschen, die 1922 vor den Bolschewiken aus dem damals russischen Odessa fl
«Die Republik der Irren» von Dirk Stermann
In seinem zweiten historischen Roman beschreibt Dirk Stermann die 13 Monate der Republik von Fiume nach dem Ersten Weltkrieg. Die verrückte Geschichte eines von niemandem anerkannten Staatsgebildes im heutigen Rijeka unter der Führung eines Narzissten erinnert in jedem Moment an unsere Zeit.
Am 12. September 1919 besetzten italienische Freischärler gegen den Willen ihrer Regierung die Stadt Fiume
«Let’s Talk about Feelings» von Leif Randt
Der deutsche Erfolgsautor Leif Randt hat einen «Coming of Middleage»-Roman geschrieben: Ein Berliner Fashion-Händler Anfang 40 hat es sich abgewöhnt, grosse Gefühle zu entwickeln. Der Tod seiner Mutter führt ihm sanft vor Augen, dass es in dieser Welt aber durchaus etwas zu empfinden gäbe.
Marian Flanders hat es jahrzehntelang perfektioniert, ein freundlicher Beobachter von aussen zu sein – allen
Was ist normal? – «Botanik des Wahnsinns» von Leon Engler
Der deutsch-österreichische Autor Leon Engler blickt in seinem Debütroman auf psychische Krankheiten – in der Familie seines Protagonisten, wie ganz generell in unserer Gesellschaft. Englers Sprache: zärtlich und brutal zugleich. «Ein stilistisches Glanzstück, dieses Buch», sagt Katja Schönherr.
Ein junger Mann blickt auf die Lebensläufe in seiner Familie zurück. Was er sieht, ist ein Stammbaum d
Der junge Schweizer Nelio Biedermann und sein Roman «Lázár»
Dem 22-jährigen Schweizer Schriftsteller Nelio Biedermann ist mit seinem Roman «Lázár» ein aussergewöhnlicher Erfolg gelungen. Noch vor Publikation des deutschsprachigen Originals ist klar: Der Roman wird in 20 Ländern erscheinen. Eine Sensation für einen bislang noch unbekannten Schriftsteller.
«Lázár» erzählt die Geschichte einer ungarischen Adelsfamilie, die in den Wirren des 20. Jahrhunderts
Wer ist der Mensch? - «Jenseits der See» von Paul Lynch
Im Roman «Jenseits der See» des Iren Paul Lynch treiben zwei Fischer über Monate in einem Fischerboot übers Meer, ohne Aussicht auf Rettung. Das Werk sei «gewaltig», findet Host Felix Münger. Es erkunde überzeugend Grundfragen des Lebens und sei «bei aller Brutalität doch voller Lebenskraft».
Zwei mexikanische Fischer werden auf dem Pazifik vom Sturm überrascht. Das Fischerboot gleitet fortan ohn
«Russische Spezialitäten» von Dmitrij Kapitelman
In seinem Roman «Russische Spezialitäten» erzählt Dmitrij Kapitelman von seiner Kindheit und Jugend. Er wurde 1986 in Kiew geboren und kam mit seinen Eltern 1995 als sogenannt jüdischer Kontingentflüchtling nach Leipzig. Dort eröffneten die Eltern einen Laden mit Feinkost aus Osteuropa.
Der (sic!) «Magasin» «Russische Spezialitäten» wurde zur Anlaufstelle für Menschen, die Heimweh nach früheren Z
«Ungebetene Gäste» von Ayelet Gundar-Goshen: ein Pageturner
Ein Kind, ein Hammer, ein tödlicher Unfall – und eine Mutter, die schweigt. Ayelet Gundar-Goshens Roman «Ungebetene Gäste» ist ein politischer Pageturner über Schuld, Schweigen, Misstrauen und das, was bleibt, wenn man glaubt, alles hinter sich zu lassen.
Ein israelisches Kind verursacht versehentlich einen tödlichen Unfall mit dem Hammer eines arabischen Arbeiters. Der Arbeiter wird verhaftet un
«Die Schrecken der anderen» von Martina Clavadetscher
Die erfolgreiche Schweizer Autorin Martina Clavadetscher präsentiert in ihrem neuen Roman einen intensiven Mix von Krimi-Elementen, Schweizer Nationalmythen – und vor allem von verdrängten Erinnerungen an ein sehr düsteres Kapitel der Geschichte, die zurück an die Oberfläche drängen.
Die Kriminalgeschichte um einen ominösen Toten, der im gefrorenen «Ödwilersee» auftaucht, ist nur der clevere Rahm
«Tausendmal so viel Geld wie jetzt» von Juan S. Guse
Juan S. Guse ist Schriftsteller und Soziologe. Für sein neues Buch hat Guse sich ein Jahr lang mit Männern getroffen, die mit Kryptowährungen reich geworden sind. Typen, die einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren - und die Guse, verständlicherweise, um ihr finanzielles Glück beneidet.
In Kryptowährungen investieren vorrangig junge Männer unter 40. Die meisten werden nicht reich damit,
«Im Traum suche ich immer das Weite» von Hilmar Klute
Volker Winterberg ist zurück. Nach dem ersten erfolgreichen Roman über Hilmar Klutes Alter Ego Volker Winterberg im Jahr 2018 kommt nun der zweite, der Volkers steinigen Weg zum Schriftsteller beschreibt. Ein Roman übers Schreiben also, der vor allem auch grosse Lust aufs Lesen macht.
Inspiriert vom Theater, einem Schreibseminar und einem Regal von Büchern will Volker Winterberg nun selbst schrei
«Santa Tereza»: Flurin Jecker und sein Held mit «Lernschwäche»
In «Santa Tereza» erzählt der Berner Flurin Jecker von einem Mittdreissiger mit kognitiver Beeinträchtigung. Er gilt als «Dummkopf» und Aussenseiter. Aber dann entdeckt er das Träumen wieder. Der Roman sei erzählerisch raffiniert, findet Host Felix Münger - und halte uns allen einen Spiegel vor.
Der Mann fristet ein eintöniges Leben als Nachtwächter auf einem Friedhof. Seine Träume hat er längst
Ein preisgekrönter Klimaroman: «Halbinsel» von Kristine Bilkau
Zuversicht will Annett nach dem frühen Tod von Ehemann und Vater für ihre Tochter Linn schaffen. Doch wie kann das gehen angesichts drängender globaler Probleme? Linn wird Umweltwissenschaftlerin. Dann kündigt sie überstürzt ihren Job im Emissionshandel und zieht zurück zur Mutter ans Wattenmeer.
Eine Tochter, die schlaflos in ihrem ehemaligen Kinderzimmer liegt; eine Mutter, die eben die Fühler
Der Klassiker «Bartleby, der Schreiber» in neuer Übersetzung
«Ich möchte lieber nicht», mit dieser Aussage hat Bartleby einen festen Platz in der Weltliteratur. Herman Melville schuf mit «Bartleby, der Schreiber» eine Figur, die erst spät Ruhm erlangte. Jennifer Khakshouri ist begeistert von diesem unterhaltsamen, politischen und zugleich tieftraurigen Buch.
Herman Melville kennt man vor allem für seinen weltberühmten Wälzer «Moby Dick». Er hat aber auch d
Sunil Mann legt frostige Beziehungen unters Brennglas
Der Schweizer Autor Sunil Mann erzählt in seinem ersten Geschichtenband «Bleiben tun sie nie» von Menschen, die zusammenleben, obwohl sie sich nichts zu sagen haben. Dem Autor gelinge es bravourös, Sprachlosigkeit in Sprache zu fassen und dabei Abgründe auszuleuchten, findet Host Felix Münger.
Der Band umfasst zwölf Erzählungen. Sie spielen allesamt in ländlicher Umgebung. Sie ist einerseits von
«Daily Soap» von Nora Osagiobare
Die Autorin Nora Osagiobare ist in der Schweiz geboren und aufgewachsen. Als Tochter eines nigerianischen Vaters war sie von klein auf mit Rassismus konfrontiert. Ihre Erfahrungen hat sie nun zu einem Roman verarbeitet. «Daily Soap» ist – trotz des schweren Themas – überaus lustig und originell.
Nora Osagiobares Debütroman «Daily Soap» ist als Seifenoper konzipiert und nimmt das Genre gleichzeiti
«Halbe Leben» von Susanne Gregor
Bei einer Wanderung stürzt Klara fünfzig Meter in die Tiefen. Einzige Zeugin ist Klaras slowakische Angestellte Paulína, die als 24-Stunden-Pflegerin Klaras Mutter betreut. Was wie ein Krimi beginnt, ist in Wirklichkeit ein scharfsinniger Roman über Ungleichheit.
Eigentlich sind sie sich ähnlich, Paulína und Klara. Und wäre da nicht der Umstand, dass die eine aus der Slowakei und die andere aus Ö
«Walzer für Niemand» von Sophie Hunger
In der Musik steckt für Sophie Hungers Protagonistin und ihren besten Freund «Niemand» die ganze Welt: Beim gemeinsamen Musikhören können sie sich mehr mitteilen als mit Worten. Der Schweizer Musikerin ist ein beeindruckender Debütroman über eine Jugendfreundschaft und die Kraft der Musik gelungen.
Als Kinder von Eltern im diplomatischen Dienst der Schweiz wachsen die Ich-Erzählerin und «Niemand»
«Das Fest» von Lucy Fricke
Jakob wird 50 und glaubt, seine besten Zeiten seien längst vorbei. In den 1990ern studierte er in Berlin, der damals angesagtesten Stadt Europas, das angesagteste Fach: Filmregie. Doch der Erfolg hat ihn verlassen. Also will er nicht feiern. Er hat die Rechnung ohne seine beste Freundin gemacht.
Ohne zu viel zu verraten: «Das Fest» ist ein lebenssatter, vergnüglicher Roman über eine Trübsal, die
«Vogelkind» von Anne Enright: Irische Lyrik & Familiengeschichten
Die irische Schriftstellerin und Booker-Prize-Trägerin Anne Enright thematisiert in ihrem neuen Roman familiäre Beziehungen, die Bedeutung alter Mythen und Lyrik aus zeitgenössischer Sicht.
Eine Familie – drei Generationen: Der verstorbene irische Nationaldichter Phil McDaragh, seine Tochter Carmel und ihre Tochter Nell. Nell ist eine moderne junge Frau, die Yoga praktiziert, sich von Quinoa ernä
«die spinne» von Eva Maria Leuenberger: Lyrik und Klimakrise
In Eva Maria Leuenbergers Langgedicht spricht ein verzweifeltes «Flügchen» auf dem Bett zu sich selbst, während vor dem Fenster die Welt brennt und das Eis schmilzt. Ein eindringliches Buch darüber, wie wir Gefühlen von Schuld und Ohnmacht gegenüber der Klimakrise begegnen.
Simon Leuthold hat das Buch wie einen Mini-Roman verschlungen, er sieht darin brennende Fragen der Gegenwart gespiegelt und
«Die schönste Version» von Ruth-Maria Thomas: Eine brutale Liebe
Die deutsche Autorin Ruth-Maria Thomas, 31 Jahre jung, hat mit «Die schönste Version» ein Debüt geschrieben, das lange nachhallt: eine Mischung aus Coming-of-Age-Roman und Psycho-Thriller. Literaturredaktorin Katja Schönherr ist vor allem von Thomas’ psychologischem Gespür beeindruckt.
In «Die schönste Version» geht es um Jella Nowak, eine Frau in ihren Zwanzigern, die gerade ihren Freund bei der
«Die Ränder der Welt» von Jens Steiner: Ein grosses Erzählwerk
Jens Steiner, Gewinner des Schweizer Buchpreises des Jahres 2013, erreicht mit seinem neuen Roman «Die Ränder der Welt» neue Dimensionen. Nach den eher kammerspielartigen Romanen der letzten Jahre legt er nun ein Erzählwerk vor, das mehrere Jahrzehnten umfasst und um die ganze Welt führt.
Ausgangspunkt dieses grossangelegten Erzählwerks, an dem Jens Steiner vier Jahre lang gearbeitet hat, ist ein
Maylis de Kerangal: Flucht aus der Putin-Armee
Im Roman «Weiter nach Osten» fährt ein junger russischer Rekrut in der Eisenbahn zur Soldatenausbildung in Ostsibirien – zusammen mit anderen Wehrpflichtigen eingepfercht im 3. Klasse-Abteil. Er will desertieren. Eine unbekannte französische Touristin hilft ihm – aus Menschenpflicht.
«Weiter nach Osten» ist bereits 2012 im französischen Original erschienen und liegt nun erstmals in deutscher Über
«22 Bahnen» und «Windstärke 17» von Caroline Wahl: Leid und Liebe
Caroline Wahls Romane «22 Bahnen» und «Windstärke 17» erzählen die Geschichte zweier Schwestern, die bei einer verwahrlosten, alkoholsüchtigen Mutter aufwachsen und ihren Weg in ein selbstbestimmtes Leben finden müssen.
Im Roman «22 Bahnen» erzählt Tilda aus ihrer Perspektive. Sie ist die ältere Schwester, mathematisch begabt, jobbt in einem Supermarkt, schwimmt täglich ihre 22 Bahnen, sorgt sich
«Der Chor» von Anna-Katharina Hahn: Viel mehr als Singen
Auch «Der Chor», der fünfte Roman der deutschen Autorin Anna-Katharina Hahn, nimmt Alltag so ins Visier, dass man ihn ganz neu entdecken kann, findet Host Franziska Hirsbrunner. Wie in einem Wimmelbild verweben sich Chorbeziehungen mit den Abgründen des Lebens.
Schauplatz ist Stuttgart, wie so oft bei Anna-Katharina Hahn. Dort trifft sich ein Laienchor von Frauen wöchentlich zur Probe. Eine junge
«Plasmatropfen» von Joshua Groß: Superkräfte gegen Depressionen
Depressionen, Superkräfte, märchenhafte Mischwesen, Augentropfen. Darum geht es im neuen Roman von Joshua Groß, der sich an grosse Fragen des menschlichen Zusammenlebens heranwagt: Wie stützen wir einander? Wann und unter welchen Umständen helfen wir einander? Wann dürfen wir es nicht?
Sie sind ein ungleiches Paar: Lenell, der schwer depressive Seismologe, und Helen, die Künstlerin mit übermensch
«Der Geschichtenabnehmer» von Vincenzo Todisco: Die letzten Worte
Ein italienisches Bergdorf, in dem es jedem Sterbenden zusteht, noch einmal von seinem Leben zu erzählen. Davon handelt der neue Roman des Schweizer Schriftstellers Vincenzo Todisco. Es ist ein leises, atmosphärisches und virtuos geschriebenes Buch, findet Katja Schönherr.
Wenn Sie wählen könnten: Was würden Sie sich für Ihre allerletzten Stunden wünschen? Einen Menschen an Ihrer Seite? Einen, de
«Das Institut» von Christian Haller: Macht und Machtmissbrauch
Ein junger Mann erhält eine Stelle in einem Institut, das nicht nur Konzepte für eine Zukunft erarbeitet, sondern selbst auch ein Player ist. So gerät er in den Strudel von Macht und Machtmissbrauch und versucht, sich mit Anstand und Würde aus der Affäre zu ziehen.
In seinem neusten Roman verarbeitet der letztjährige Gewinner des Schweizer Buchpreises Christian Haller seine Zeit bei. Ersten und b
«Kleine Monster» von Jessica Lind: Die «heile Kindheit» gibt es nicht
Eine Mutter erfährt, dass sich ihr kleiner Sohn in der Schule vor einer Mitschülerin entblösst hat. Was ist mit ihm los? Die Verunsicherung der Mutter ist total.
«Kleine Monster», der zweite Roman der Österreicherin Jessica Lind, ist für Host Felix Münger ein psychologisch raffinierter Familienroman, der gängige Bilder der Kindheit hinterfrage.
Das Vorkommnis in der Schule weckt in der Mutter d
«Die dritte Hälfte»: Sabine Peters berührender Roman übers Altwerden
Die Frage Zeit falte sich im Alter plötzlich anders auf, sagt Sabine Peters: «Was ist die eigene Lebenszeit? Was ist die Zeit des Lebens?» Mit «Die dritte Hälfte» hat sie ein nachdenkliches, aber auch vergnügliches Buch über ein Tabu-Thema geschrieben.
Dass wir hinfällig und schliesslich sterben werden, verdrängen wir gerne. Da ist auch der Hausarzt, der im Zentrum von Sabine Peters Romans steht
«Stay True» von Hua Hsu: Mord erschüttert College-Idylle
Ein brutaler Mord bewegt das Campusleben in Berkeley. Ein junger Mann verliert seinen Freund und stürzt sich ins Schreiben.
Berkeley Kalifornien, Ende 1990iger Jahre: Zwei junge Studenten, Ken und Hua, lernen sich an der Uni kennen und werden Freunde. Sie sind unterschiedlich, trotzdem verbringen sie viel Zeit miteinander, diskutieren leidenschaftlich über Musik, Filme und Bücher. Diese Freundsch
«Reichskanzlerplatz» von Nora Bossong: Wer war Magda Goebbels?
Wie wurde aus der jungen, offenen, an Kunst und Fremdsprachen interessierten Magda Quandt die flammende Nationalsozialistin und «Übermutter des Dritten Reichs» Magda Goebbels? Diesen Weg zeichnet Nora Bossong in ihrem neuen Roman nach, anhand eines kaum bekannten Weggefährten.
Die Frage, wo die spätere Magda Goebbels in ihrem Leben anders hätte abbiegen können, ist zentral für Nora Bossongs Roman
«Seinetwegen» von Zora del Buono: War er wirklich ein Hallodri?
Nach 60 Jahren hat sich die Schweizer Schriftstellerin Zora del Buono auf die Suche nach dem Mann gemacht, der für den Tod ihres Vaters verantwortlich ist. Daraus entstanden ist «Seinetwegen», ein sehr behutsames Buch über Schuld.
1963: Zora del Buono war gerade einmal acht Monate alt, als ihr Vater bei einem Autounfall in der Ostschweiz ums Leben kam. Der tote Vater – er wurde zur Leerstelle in
«Sprung ins Leere» von Heinrich Steinfest: Literatur und Kunst
Heinrich Steinfest schreibt über Kunst. Und schafft damit selbst ein Kunstwerk. Gekonnt erzählt und sprachlich brillant nimmt es uns mit auf eine Abenteuerreise, die bis nach Japan führt. Immer auf der Suche nach dem Geheimnis eines unverhofft aufgetauchten Bildes.
Das Bild heisst «Sprung in die Leere» und stammt von einer verschollenen Frau. Es zeigt praktisch dasselbe Motiv wie ein sehr bekannt
«Martha und die Ihren» von Lukas Hartmann: Die Schande der Armut
Verdingkind, Armut, Fabrikarbeit, Plackerei bis zum Umfallen – Lukas Hartmann spürt in seinem aktuellen Roman dem harten Los seiner um die Jahrhundertwende geborenen Grossmutter nach. Und wie sie die Erfahrung der bitteren Not an ihre Kinder und Enkel vererbte – mit dramatischen Folgen.
Im Podcast erzählt Lukas Hartmann, er habe lange gezögert, sich an diesen intimen Familienstoff zu wagen. Zulet
«Maifliegenzeit»: Matthias Jügler über vorgetäuschten Säuglingstod in der DDR
«Eine grössere Leerstelle kann ich mir nicht vorstellen», sagt Matthias Jügler über die Kinder, die in der DDR unmittelbar nach der Geburt für tot erklärt und zur Adoption an kinderlose Parteikader weitergegeben wurden.
Was wie eine Räuberpistole klingt, ist belegt, auch wenn eine grosse Dunkelziffer vermutet wird. Matthias Jügler, der 1984 in der DDR geboren wurde, interessiert aber weniger der
«Die Entflammten» von Simone Meier: Die Frau, die Vincent van Gogh zur Ikone machte
Vincent van Gogh verdankt seinen Ruhm seiner Schwägerin Jo van Gogh-Bonger. Sie ist eine von zwei Frauen, welche Simone Meier in ihren Roman «Die Entflammten» gepackt hat.
Mit dem Roman «Die Entflammten» ist Simone Meier eine Mischung aus Roman und Doku-Fiktion gelungen. In «Literaturclub: Zwei mit Buch» unterhalten sich Jennifer Khakshouri und Michael Luisier mit Simone Meier und fragen sie unte
Von der eigenen Mutter krank gemacht: Valerie Fritschs neuer Roman
«Zitronen» handelt vom Kind einer Mutter mit Münchhausen-by-proxy-Syndrom: Sie redet ihm ein, es sei krank und schwach, und es muss Tabletten schlucken, die es schwach und müde machen. Für Simon Leuthold ein bildstarkes Buch darüber, wie sich Zärtlichkeit und Gewalt gegenseitig bedingen können.
Das eigene Kind bewusst krank machen, damit man als besonders fürsorgliche Mutter angesehen wird: Was t
Neuer Roman von Mareike Fallwickl: Der grösste Frauenstreik ever
Was würde passieren, wenn alle Frauen streiken? Wenn keine einzige Frau mehr den Haushalt in Schuss halten, Kinder betreuen oder bedürftige Menschen pflegen würde? Dieses Szenario schildert Mareike Fallwickl in ihrem neuen Roman «Und alle so still». Ein aufwühlendes Buch, findet Katja Schönherr.
Die Österreicherin Mareike Fallwickl gilt als eine der bekanntesten feministischen Schriftstellerinnen
«Minihorror» von Barbi Markovic: Ein ausgezeichnetes Buch
Gerechnet hätte sie nicht damit. Im Gegenteil. Trotzdem erhält die Schriftstellerin Barbi Markovic für ihr aktuelles Buch «Minihorror» den Preis der Leipziger Buchmesse. Literaturredaktor Michael stellt dieses in zweifacher Hinsicht «ausgezeichnete Buch» vor.
Das Neue an Barbi Markovics Buch: Die Schriftstellerin benutzt Elemente aus dem Comic und kleidet sie in ein literarisches Gewand. Mini und
«Wir werden jung sein» von Maxim Leo: Die Abschaffung des Todes
Der Wissenschaft gelingt es, die Menschen mit einer Pille zu verjüngen. Dieses Szenario ist mehr als blosse Fantasterei – und ist das Thema im aktuellen Roman des Deutschen Maxim Leo. Ein Buch, das anregende Unterhaltung mit philosophischem Tiefgang biete, findet Host Felix Münger.
Was auf den ersten Blick vielleicht verlockend klingt, erweist sich bei genauem Hinsehen als zweischneidig: Wenn wir
«Lichtungen»: Iris Wolff über Grenzen und Lebensentwürfe
Iris Wolff erzählt in ihrem neuen Roman von einer deutschsprachigen Minderheit in der abgelegenen Maramuresch an der Grenze zur Ukraine. Es ist eine magische Welt, aber auch versehrt durch ethnische Spannungen und den Terror der Ceaucescu-Diktatur.
«Man ist, einmal gegangen, immer ein Gehender.» Das sagt Levs Grossvater. Er flüchtete aus Rumänien. Der Enkel bleibt, auch nach dem Ende der Diktatur
«Tinte» von Anna Sommer: Ein wortloses, poetisches Abenteuer
Was macht ein literarisches Werk aus? Braucht es zwingend Worte? Jennifer Khakshouri und Michael Luisier unterhalten sich über den Bildband «Tinte» von Anna Sommer, ein Buch ganz ohne Worte, dafür aber mit starken Bildern.
Die Schweizer Illustratorin und Comiczeichnerin Anna Sommer hat ein poetisches, bildreiches Buch geschaffen. Es handelt von einer Frau, die sich auf die Suche nach Tinte begibt
Im braunen Kärntner Wald: Julia Josts neuer Roman
In «Wo der spitzeste Zahn der Karawanken in den Himmel hinauf fletscht» schaut ein Kind auf die vermeintliche Kärntner Idylle der 90er Jahre: Populismus und braunes Gedankengut überall, Eltern, die zu zweifelhaftem Reichtum kommen – und doch Freiheit. Diese Gratwanderung beeindruckt Simon Leuthold.
Die Familie des 11-jährigen Mädchens ist zu Geld gekommen und zieht vom elterlichen Gasthof weg. Da
«Weltalltage» von Paula Fürstenberg: Gesundheit!
Die deutsche Autorin Paula Fürstenberg beschreibt in ihrem aktuellen Roman «Weltalltage», was es bedeutet, chronisch krank zu sein. Literaturredaktorin Katja Schönherr stellt das Buch ihrer Kollegin Franziska Hirsbrunner in dieser Podcast-Folge vor – und lobt den erzählerischen Wagemut der Autorin.
Was bedeutet es, krank zu sein? Und vor allem: Was bedeutet es, chronisch krank zu sein – und in ei
«Das Philosophenschiff» – der neue Roman von Michael Köhlmeier
Michael Luisier und Jennifer Khakshouri besprechen in ihrer ersten gemeinsamen Folge von «Literaturclub: Zwei mit Buch» die Qualitäten von Michael Köhlmeiers brillantem, neuem Roman «Das Philosophenschiff». Dabei befassen sie sich speziell mit seiner, von den Figuren bestimmten, Erzählweise.
1922 lässt die Sowjetregierung den letzten Rest der russischen Intelligenzia per Schiff ins Ausland deport
«Radio Sarajevo» von Tijan Sila: In der Hölle der Belagerung
Der deutsche Autor Tijan Sila schildert in seinem aktuellen Roman «Radio Sarajevo», wie er in den 1990ern als Kind den Kriegshorror in der eingekesselten bosnischen Hauptstadt erlebt hat. Host Felix Münger überzeugt Silas «radikal subjektiver Blick» auf das Grauen von damals.
Tijan Sila wurde 1981 im damals noch jugoslawischen Sarajevo geboren. Er war elf Jahre alt, als der Bosnienkrieg ausbrach
«Nachhausekommen»: Jan Peter Bremer über seine spezielle Kindheit
Der Vater ein angesagter Künstler, die Familienwohnung ein Schlösschen, die Umgebung traumhaft (u. a. eigener See). Klingt gut. War es aber nur bedingt. Damals in den 1970er Jahren waren die Hippies aus Westberlin im Grenzland zur DDR nicht gern gesehen. Und dann musste der Bub zur Schule.
Mobbing, der Clash zwischen neuen und alten Bewohnern des Zonenrandgebiets, die kompetitiven Zirkel rund um
Im Meer der Erinnerungen: Deniz Utlus neuer Roman
«Vaters Meer» ist erzählt aus der Sicht von Yunus, der in Hannover als Sohn türkischstämmiger Eltern aufwuchs. Eine Spurensuche nach seinem Vater, der nach langer, kompletter Lähmung in Yunus Jugend verstorben ist – und ein beeindruckendes Buch über Herkunft und das Erzählen, findet Simon Leuthold.
Zehn Jahre ist Yunus Vater tot, davor war er weitere zehn Jahre mit dem «Locked-In»-Syndrom ans Bet
Nele Pollatschek: Kleine Probleme (die aber grosse Probleme sind)
31. Dezember. Die Hauptfigur Lars will bis zum Jahreswechsel noch viel erledigen: Wohnung putzen, Steuererklärung machen, ein Buch schreiben... «Kleine Probleme» ist ein tragikomischer Roman über unser Scheitern an unerledigten Dingen. Für Katja Schönherr die «perfekte Unterhaltung mit Tiefgang».
Lars Cornelius Messerschmitt, 49 Jahre alt, ist ein Grübler. Ein Philosoph des Alltags. Anstatt einfa
«Paradise Garden» von Elena Fischer: Roadtrip zu sich selbst
Billie ist 14, lebt mit der Mutter in einer Hochhaussiedlung und weiss nicht, wer ihr Vater ist. Die Suche nach ihm entpuppt sich als Reise nach sich selbst. Elena Fischers Coming-of-Age-Geschichte «Paradise Garden» sei ebenso herzzerreissend wie herzerwärmend, findet Host Felix Münger.
«Paradise Garden», Elena Fischers Romandebüt, fesselt durch seine Atmosphäre: feine Melancholie, durchbrochen v
Ein ungewöhnliches Paar in bewegten Zeiten: Lea Singers Roman «Die Heilige des Trinkers»
Er war ein Jude aus Galizien, sie eine Protestantin aus Hamburg mit afrokubanischem Vater. Die Beziehung zwischen dem Starjournalisten und Romancier Joseph Roth und der Grafikerin Andrea Manga Bell war geprägt von ihrer Stärke, seinem Alkoholismus und der gemeinsamen Liebe zur Literatur.
Franziska Hirsbrunner fasziniert, wie sehr dieser Roman über vergangene Zeiten auch von Aktuellem erzählt. Müs
Im Familiengestrüpp: Philipp Oehmkes «Schönwald»
War Grossvater ein Nazi? Diese Frage bringt im ersten Roman des SPIEGEL-Journalisten Philipp Oehmke die propere Fassade der Familie Schönwald zum Bröckeln. Schönwalds haben das Kommunizieren als Familie verlernt und tun sich nicht zuletzt deswegen schwer mit dem Aufarbeiten ihrer Vergangenheit.
Das Buch war angekündigt als Roman nach dem Vorbild der «Great American Novel» aus den USA. Entstanden
«Hinter der Hecke die Welt» von Gianna Molinari: Das Eis schmilzt, die Hecke wächst
Die Arktis, in der das Eis schmilzt. Und ein abgelegenes Dorf, in dem nichts mehr wächst ausser der Hecke drumherum. Das sind die Schauplätze in Gianna Molinaris neuem Roman. Katja Schönherr und Franziska Hirsbrunner begeben sich auf eine literarische Reise an diese Handlungsorte.
Schon in ihrem Debütroman zeigte die Schweizer Autorin Gianna Molinari ein Faible für ungewöhnliche Orte und Ideen. «
«Als die Welt entstand» von Drago Jancar: Die Flügel der Fantasie
Ein Knabe wächst im Slowenien der Tito-Zeit auf – inmitten gesellschaftlicher und menschlicher Abgründe. Host Felix Münger überzeugt, wie Drago Jancar in «Als die Welt entstand» ganz Unterschiedliches zusammenbringt: Coming-of-Age-Geschichte, Krimi, Zeitgemälde und Analyse der menschlichen Existenz.
«Als die Welt entstand» spielt zu Beginn der 1960er Jahre im jugoslawischen Maribor, Drago Jancars
«Sprechen lernen»: Bestsellerautorin Hilary Mantel über ihre Kindheit
Wie trainiert man sich einen Akzent ab? Wohin verschwand der Vater? Was war so verstörend an der Kindheit im Nordwesten Englands der 1950er Jahre? Einige Jahre vor dem Welterfolg ihrer Trilogie um Thomas Cromwell («Wölfe», «Falken», «Spiegel und Licht») ging Hilary Mantel diesen Fragen nach.
In den sechs Erzählungen, unter dem Titel «Sprechen lernen» erschienen, sei sie dabei ganz bei sich und gl
Flucht vor der Wand des Schweigens: Wilfried Meichtrys neuer Roman
In «Nach oben sinken» will ein Jugendlicher seinen Grossonkel wieder aufspüren, der Schande über die Familie gebracht haben soll. Im katholischen Wallis der 70er-Jahre gibt es dafür kaum Worte. Für Host Simon Leuthold ein Roman, der die Frage aufwirft, wie wir Querschlägern in der Familie umgehen.
Wilfried Meichtrys Ich-Erzähler sehnt sich nach der Ferne, doch anstatt wirklich aufzubrechen, zieht
Nell Zink: «Avalon» - Wie steht es um den amerikanischen Traum?
Nell Zink zeigt mit ihrem neuen Roman verschiedene Aspekte des American Dream. Erzählt mit beissendem Humor, einer Liebe zu skurrilen Figuren und mythischen Motiven. Nicola Steiner spricht mit Franziska Hirsbrunner über das Buch und mit Claudia Brühwiler über die Idee des American Dream.
Die Jugendliche Bran hat schon früh Vater und Mutter verloren und wächst unter prekären Verhältnissen auf eine
«Die Verräter» von Artur Weigandt: Mit Putins Russland brechen
In seinem literarischen Debüt entzaubert der junge deutsche Autor Artur Weigandt verquere Vorstellungen der «russischen Welt» – und damit einen Teil seiner eigenen Identität.
Artur Weigandt wurde 1994 in der ehemaligen Sowjetunion geboren und gelangte als kleines Kind nach Deutschland. Die «russische Welt» blieb stets Teil seiner Identität. Bis zum Ukraine-Krieg.
In seinem Buch erzählt der Autor
«Dorf an der Grenze» von Aline Valangin: eine Tessiner Dorfgemeinschaft im 2. Weltkrieg
Franziska Hirsbrunner und Nicola Steiner diskutieren über «Dorf an der Grenze»: Ein Buch, das etwa 1945 entstand, aber erst in den 1980er Jahren publiziert wurde. Der Roman vermisst ein Tessiner Bergdorf zu Zeiten des 2. Weltkriegs und schaut genau hin, was die Rolle der Schweiz im Krieg betrifft.
Aline Valangin (1889-1986), Pianistin, Psychoanalytikerin, Bohemienne und Frau der Tat, hätte auch e
Florian Gottschick: «Damals im Sommer»
Ein 15-Jähriger entdeckt während der Sommerferien, dass er homosexuell ist: Er verliebt sich in einen anderen Jugendlichen, sein Leben gerät durcheinander. Für Simon Leuthold viel mehr als eine queere Sommerromanze: ein Buch über zwei ungleiche Brüder und ein Plädoyer für ein neues «Normal».
Für den namenlosen Protagonisten in Florian Gottschicks Roman ist es eine Erkenntnis, die sein Leben grund
Zwischen zwei Systemen: Samuel Finzi über seine Jugend in Bulgarien
In «Samuels Buch» blickt Samuel Finzi zurück auf seine Kindheit und Jugend im kommunistischen Bulgarien. Entstanden ist ein lebendiges, amüsantes und tiefgründiges Buch über Familie, Freundschaft und Freiheit. Nicola Steiner hat mit dem Schauspieler über sein Schreiben gesprochen.
Samuel Finzi wächst in einem Künstler-Milieu auf: Der Vater ist ein berühmter Schauspieler, die Mutter eine renommie
«Immer zwei und zwei» von Tabea Steiner: In den Fängen der Freikirche
Einer Freikirche beizutreten ist nicht schwer, auszusteigen hingegen sehr. Davon erzählt Tabea Steiners Roman. Dabei gehe es auch um die Grundfrage, wie wir ein selbstbestimmtes Leben führen können, sagt Host Felix Münger.
Natali, die Hauptfigur des Romans, will nicht mehr. Die Mutter und Ehefrau hat genug von den Bevormundungen durch die Freikirche, in der sie seit Jahren mittut. Beflügelt von e
Eine Mutter ohne Herkunft: «Maman» von Sylvie Schenk
Die 78jährige deutsch-französische Autorin Sylvie Schenk rekonstruiert in ihrem neuen Roman die Geschichte ihrer Mutter, die weitgehend unbekannt geblieben war. In akribischen Recherchen und einfühlsamen Erfindungen skizziert sie ein Leben im Dunklen und in der Sprachlosigkeit.
Was Sylvie Schenk über ihrer Mutter sage, treffe sie ins Herz, sagt Nicola Steiner. Franziska Hirsbrunner geht es genaus











